Laufrucksäcke am Trail

Wir sind bei jedem Wetter und in jeder Jahreszeit laufend in der freien Natur unterwegs. Der Laufrucksack hat sich hier bewährt, und bleibt in der Zwischenzeit auch bei den kürzesten Schönwetterläufen nicht mehr zu Hause.

Regenjacke, und ein trockenes Shirt sind immer dabei

Solange ich mich bewege, benötige ich normalerweise keine trockene Kleidung, da liefert die Muskulatur meist ausreichend Abwärme.
Sobald man sich nicht mehr laufend fortbewegen kann, beginnt der Körper aus zu kühlen. Speziell wenn die Laufbekleidung durchgeschwitz ist, kommt die Verdunstungskälte hinzu und es kann recht schnell unangenehm feucht und kalt auf der Haut werden.

Das „nicht mehr laufen können“ fängt ursächlich bei einer kleinen Verletzung am eigenen Körper an, kann ein Hungerast (=Unterzuckerung) sein, bis hin zur Tatsache, dass es mir selbst bestens geht, ich aber einen Begleiter habe, dem es schlecht geht, und um den ich mich kümmern muss.

Bei einem typischen Straßenlauftraining in der Stadt kann der betroffene Läufer einfach nach Hause gehen, und die anderen machen ungehindert weiter, es kühlt niemand richtig aus.

Am Trail und im Gelände, heißt es zusammen bleiben und kümmern, da kann trockene Wäsche ungemein hilfreich sein.

In Wien ergibt es sich ganz automatisch, dass man die meisten Laufstrecken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht, z.B. den klassischen U4-U4, also die Laufstrecke über den Wienerwald zwischen den beiden U4-Endstationen.

Dabei ist es besonders wichtig, nach dem Lauf die nasse Bekleidung am Oberkörper gegen ein trockenes Shirt zu tauschen, da einem auch in der beheizten U-Bahn nach 10 Minuten ganz schön kalt wird.

Die Kombination aus trockenem Shirt und wirklich dichter Jacke, auch wenn diese ev. sehr dünn ist, kann bis knapp an die 0 Grad Grenze ziemlich alle Notfälle abdecken.

Rettungsdecke

Wegen Nässe und Kälte ist auch die Alu-Rettungsdecke immer dabei, als allerletzte Schutzschicht gegen Hitze, Kälte, Wind und Sonne.
Im Notfall für sich selbst, oder um einer anderen Person, egal ob Mitläufer oder Wanderer, helfen zu können

Essen/trinken

Ein schöner Traillauf kann schnell die doppelte Zeit eines ähnlichen Laufs auf der Strasse dauern.
Es kommen Höhenmeter dazu, und die Landschaft sollte dann und wann ebenfalls genossen werden.
Wir erleben sehr oft, dass Läufer, die von der Straße kommen, hierbei den Energiebedarf unterschätzen, und nach ein bis zwei Stunden an einem Hungerast (Läufersprache für extreme Unterzuckerung) eingehen.

Wasser bzw. isotonisches Getränk und Riegel/Gel bzw. Energie, hauptsächlich in Form von Zucker muss daher unbedingt mit.

Achtung: Eiweißriegel (Proteinriegel) sind normalerweise unterwegs ziemlich sinn- und zwecklos. Beim Einkauf bitte darauf achten, dass es Kohlehydrat Riegel mit ausreichend Zucker sind.

Die notwendige Wassermenge für einen längeren Lauf kann schwer werden, dann wird der Rucksack besonders wichtig.
Das Fassungsvolumen der Rucksäcke wird üblicherweise in Litern angegeben, dabei handelt sich aber um das Gepäcksvolumen, und nicht um die transportierbare Wassermenge.

Die Laufrucksäcke werden typischerweise auch immer mit einer Trinkblase verkauft, hauptsächlich deshalb, weil die Rucksäcke ursprünglich aus dem Mountainbike Bereich kommen und dort so auch gut funktionieren.
Im Laufbereich geht der Trend schon lange weg von der Trinkblase, hin zu den Softflasks (kleine faltbare Flaschen, in der Größe zwischen 250 ml und 500 ml)

Nachteile der Trinkblase:

  • Komplizierte Reinigung
  • Kompliziertes Nachfüllen unterwegs
  • Ich weiss nie genau wie viel Wasser ich noch in Reserve habe – speziell wenn man extrem optimiert (Wettkampf, Trockenheit etc) unterwegs ist, kann diese Unsicherheit, ob jetzt noch drei Schluck Wasser oder doch das doppelte oder dreifache am Rücken ist extrem störend sein.

Mit Softflasks welche vorne montiert sind, hat man all diese Nachteile nicht.
Die Trinkblase bleibt für spezielle Anlässe, wo ich wirklich zwei Liter Wasser mitschleppen will oder muss. In Mitteleuropa ist das eigentlich selten bis nie der Fall.
Sollte ich mit zwei Softflasks à 500 ml nicht auskommen, dann kommt eine Dritte für den Notfall hinten in den Rucksack hinein.

Licht

Eine gute Stirnlampe muss in den Rucksack, besonders wenn es nur ansatzweise Richtung Abend geht.
Auch wenn ein Ende des Laufes kurz vor Dunkelheit geplant ist, kann etwas unvorhergesehenes passieren (ein Läufer stürzt) und plötzlich ist es dunkel. Speziell im Wald ist es oft schon 15 Minuten früher absolut schwarz, das wird von vielen unterschätzt.

Erste Hilfe Paket

Es gibt im Handel Erste Hilfe Pakete speziell auch für Outdoor-Sportarten welche die Grundanforderungen gut abdecken. Auch die oben schon erwähnte Alu-Rettungsdecke ist dort meist schon inkludiert.

Nach einigen Jahren Praxis am Trail und der einen oder anderen Verletzung unterwegs habe ich mein persönliches Erste Hilfe Set folgendermaßen zusammengesetzt:

  • Rettungsdecke
  • Latex Handschuhe
  • Leukotape und sterile Kompressen ersetzen alle Pflaster und sind mit etwas McGyver Instinkt extrem vielseitig einsetzbar.
  • Desinfektionsspray (kleinste Größe)
  • Sicherheitsnadeln
  • Notfall 10€
  • 1 Gel

Stöcke / Sticks

Falls man mit Stöcken läuft, braucht es die Möglichkeit diese am Rucksack zu befestigen.
Die Rucksackhersteller haben unterschiedliche Konzepte dafür, meist auch abhängig von der Art des Stockes.
Ein faltbarer Stock (oft als Stick bezeichnet) ist anders zu befestigen als ein ausziehbarer Stock. Da hilft am Ende oft nur ein wenig basteln z.B. mit Klett- oder Gummibändern.

Grundsätzlich sollte man das schnelle Verstauen und wieder Hervorholen des Stocks auch üben. Bei Massenstarts gehören die Stöcke auf den ersten Kilometern grundsätzlich an oder in den Rucksack.

Nicht zu vergessen

  • Papiertaschentücher
  • Ausweis
  • Mobiltelefon

Wo und wie man das Mobiltelefon transportiert kann eine Herausforderung werden, auch abhängig von der Größe des verwendeten Modells. Dies sollte man auch beim Kauf des Rucksacks schon bedenken.
Speziell im Winter würde man das Telefon gerne warm verstauen, da man sonst am Zielbahnhof oftmals ohne Akkuleistung da steht (Kälte fährt den Akku runter). Gleichzeitig dient das Telefon oft auch als Fotoapparat oder Navigationshilfe, da sollte es dann dauernd vorne griffbereit sein. Außerdem sollte es noch gegen Feuchtigkeit geschützt sein, egal ob man nun schwitzt oder grad durch einen leichten Regen läuft.

In das Mobiltelefon muss noch hinein:

  • Notfallkontakte: es gibt Apps oder Einstellungen dafür, welche diese Daten ohne Entsperren des Telefons wieder herausgeben, alternativ eine Hundemarke am Rucksack
  • Landkarte/Navigations-App. Besonders wichtig: OFFLINE Kartenmaterial. Zur Primärnavigation verwenden wir meist die Uhr, wenn das Mobiltelefon im Notfall einspringen muss ist wahrscheinlich kein Netz verfügbar.

Generell zu beachten

Wichtig ist die Ladekapazität eines Rucksacks auf der Vorderseite, sprich: was kann ich erreichen und herausholen ohne den Rucksack von der Schulter zu nehmen.

Alles was unerreichbar am Rücken liegt ist für den Notfall. Speziell bei Wettkämpfen mit einer Dauer unter 10 Stunden, komme ich eigentlich selten bis nie dazu den Rucksack ab zu nehmen.

Alles was in den Laufrucksack hineinkommt muss einzeln wasserdicht verpackt sein. Obstsackerln aus dem Lebensmittelhandel eignen sich bestens dafür. Egal wie Wasserdicht der Rucksack außen auch gebaut ist, man schwitzt am Rücken und weicht den Rucksack durch. Das ist grundsätzlich kein wirkliches Problem, nur sollten die Sachen eben trocken bleiben.

Grundsätzlich sollte man einen Rucksack vor dem Kauf anprobieren und prüfen ob er gut sitzt.

Die meisten Rucksäcke gibt es in verschiedenen Größen welche dann noch zusätzlich für die Feinheiten anpassbar ist.

Zwei Dinge sind bei der Größe zu beachten:

Die meisten Rucksäcke dehnen sich im ersten Jahr etwas.
War der Rucksack beim kauf schon „fast“ zu groß, dann sitzt er nach einem halben Jahr wahrscheinlich gar nicht mehr.

Im Winter trägt man darunter meiste eine Kleidungsschicht zusätzlich. War der Rucksack beim Kauf schon sehr knapp bemessen, geht er im Winter meist nicht mehr.
Generell laufen wir im Winter eher die größeren Rucksaäcke was das Gepäcksvolumen betrifft (10-12 l), da man dann auch eine Winterjacke für den Notfall gut unterbringen kann, während im Sommer oftmals ein Rucksack mit 3-5 l Gepäcksvolumen ausreichend ist.

Die Angaben der Hersteller zum Gepäckvolumen sind nur als Richtwert zu verstehen, die Zahlen sind zwischen den Herstellern nur bedingt vergleichbar – probieren geht über studieren.

Version 0.1.1 vom 10.05.2020

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